Montag, 1. März 2010

Weltuntergangsstimmung und dicke Beine

Hallo Ihr Lieben,

Danke für die vielen Nachfragen, Anrufe, Mails usw. uns gehts gut! Wir haben uns zwar wie viele Millionen andere Leute hier auch zu Tode erschrocken und sind besonders am Samstag noch sehr unglaeubig gewesen was da um uns rum passiert aber wir hatten Glück und ein extrem gut vorbereitetes Land udn dementsprechend ist trotz 8,8 (!!!!) so gut wie nichts passiert.

Freitag Abend war ja eigentlich nur das Treffen mit Adam und Louise bei uns zu Hause geplant also standen wir bei uns ind er Wohnung rum, tranken, erzaehlten und lernten uns kennen, lustig sind die beiden und gut drauf :-D Spaeter kam dann noch ein früherer Schulkamerad von Steffi, der nun in Santiago lebt mit seiner Freundin, die beiden namen uns dann gleich mal zu einer höchst lustigen Privatparty mit. Zwischen höchst lustigen Leutchen wurde die Stimmung also immer lustiger, bis wir dann um 3 Uhr oder den Heimweg angetreten sind. Auf dem Weg noch bei Burger King vorbei und schon waren wir nur noch einen Block vom Haus entfernt.

Dann allerdings fing der Boden an sich leicht zu bewegen. Wie immer dachte man, denn hier gibt es ja dauernd Erdbeben, Kleine eben. Die Bewegung wurde aber stattdessen immer staerker, spaeter durften wir dann herausfinden dass es 8,8 im Epizentrum und 8,0 in Santiago auf der Richterskala waren. Grosse Panik brach aber nicht aus obwohl wir kurz den Weltuntergang vor Augen hatten..... ich meine es war stockdunkel und dann faengt auf einmal an alles zu wackeln, und das in Providencia also zwischen ner ganzen Menge Wolkenkratzern.... naja stattdessen dann weiter zum Haus wo schon alle Bewohner in Unterwaesche und Schlafanzug standen und geschockt in den Eingangsbereich guckten wo Hektoliterweise Wasser aus der Decke schoss. Nach kurzem Hin und Her hatten wir entschieden, dass das Haus nicht nach Einsturz aussieht und Adam und ich sind dann zu Fuss die 16 (!!!) Stockwerke hoch um hauptsaechlich die Dora zu retten :-D ... aber auch um n paar Sachen zu holen und die Wohnungen zu checken.

Bei uns war von den Glaesern vom Vortrinken nicht mehr viel übrig aber ansonsten war wenig passiert. Gut, der Fernseher war abgestürzt aber er schien OK zu sein und der Kühlschrank war zwar nen halben Meter gewandert aber er stand. Die arme Dora dagegen war völlig verschreckt und froh mit rausgenommen zu werden. Bei Adama stellte sich das ganze etwas schwieriger dar, da dort die Tür schief im Rahmen hing und man so nicht mehr reinkam. Also lustiges Balkonklettern seinerseits (im 8. Stock) und dann aber schnell wieder die Treppe runter. Weiterhin schoss Wasser aus der Decke und auch das Treppenhaus war schon ziemlich nass. Dazu kam etwas dass wie grosse Risse in der Konstruktion aussah, sich aber spaeter als Lücken im Bau darstellte, die eben genau für Erdbeben erdacht sind.

Naja wir gingen also zum Auto von Adam und legten uns dort erstmal hin, aber nicht lange da wir davon ausgingen bald wieder zurück zu können. Bei dem Versuch mussten wir aber feststellen, dass es wohl doch noch ernsthafte Probleme gab, denn man liess uns nicht mehr rein. Relativ ideenlos standen also steffi und ich vorm Haus rum (Adam und Louise waren im Auto geblieben) also auf einmal Carolina mitsamt Ehemann neben usn stand und meinte sie waeren da um uns zu retten. Carolina ist eine Nichte von Steffi und wohnt mit Ihrem chilenischen Mann hier in Santiago, also packten uns die beiden ein und es ging zum Elternhaus. Dort war Katastrophenzentrale das Schlüsselwort:

Mindestens 10 Personen, die Kaffee trinkend und rauchend um Kerzen und ein winziges Radio herumsassen und die Neuigkeiten verfolgten. Zu dem Zeitpunkt sprach man noch von ca. 80 Toten (heute wird von mindestens 700 gesprochen). Steffi und ich waren natürlich ziemlich platt, vortrinken, feiern, Erdbeben, Katzenrettung, das is halt doch was viel für eine Nacht. Also schmissen wir uns dort für ne Stunden oder 2 ins Bett. Waehrenddessen kam es schon zu ersten starken Nachbeben, die ich allerdings fast verschlafen haette, Steffi dagegen stand beim ersten Wackeln schon geschockt im Garten :-D

Naja morgens ging es dann zurück nach Haus, also mal wieder 16 Stockwerke zu Fuss und Chaosbeschauung. Auf dem Dach war der Pool halbleer und mehrere Terrassendachteile waren abgestürzt. Auch einer der grossen Beuler war umgekippt und wie spaeter klar wurde, sind beide kaputt, also wohl einige Wochen nur kaltes Wasser! Adam und Louise waren zu dem Zeitpunkt noch immer nicht zu Hause, also frühstückten sie bei uns in der Hoffnungen, dass sich bald mal jemand finden könnte, der Ihnen die Tür öffnet.

Danach bestand dann der Tag aus vielen Nachrichten und den schrecklichen Bildern aus Concepcion, Talca und den anderen fast komplettr zerstörten Staedten einige hundert km südlich von Santiago. Die Zahl der Toten stieg auf 700 und dazu kamen die ganzen Tsunami-Warnungen und Entwarnungen und Nachbeben. Ziemlich bedrückend das ganze aber irgendwann war ich dann doch relativ sicher, dass wir nicht auf einmal nochmal raus müssen. Andererseits wird von Nachbeben von bis zu 7,0 gesprochen... man wird sehen.

Sonntag wurde dann auch klar, dass die Aufzüge einige Wochen nicht funktionieren werden... EINIGE WOCHEN zu Fuss in den 16. Stock... das wird lustig :-D Naja sind dann aber gestern doch noch was Essen gegangen, Familie und Freunde wussten ja alle Bescheid, dass es uns gut geht also war es Zeit für Ablenkung von den Nachrichten.

Zu Fuss vorbei an der teilweise zerstörten Kirche um die Ecke ging es also nach Bellavista wo dieses auf eher unschöne Weise unvergessliche Wochenende sein gechilltes Ende fand.

Zurückblickend bleibt zu sagen, dass ich wirklich beeindruckt bin von den Chilenen, die Gebaeude, besonders hier in Santiago, müssen schon extrem erdbebensicher sein wenn bei 8,8 nichts passiert und auch die Reaktion udn Rettungsmassnahmen scheinen sehr professionell und strukturiert. Dennoch kommt es nun zu Vandalismus und Plünderungen, aber eher nicht in Santiago.

Seit heute morgen geht es nun natürlich um die travelArt-Kunden, die sich schreckliche Sorgen um ihre Reisenden machen, auch diesbezüglich ist aber glücklicherweise nichts Schlimmes passiert. Es gab zwar tatsaechlich Leute die in den staerker betroffenen Regionen waren, aber verletzt wurde niemand, nur viele Leute die wegen der ausfallenden Flüge irgendwo gestrandet sind. Also heute 10 Stunden lang die beruhigenste Stimme der Welt an den Tag legen und ganz langsam und vertrauensvoll Sachen erklaeren von denen wir selber noch wenig wissen. Blöderweise fehlt es halt an vielen offiziellen Infos, z.B. ab wann wieder geflogen wird (eben sprach man von Freitag)... mal sehen.

So ich denke das reich erst einmal an Infos aus der Katastrophenregion, macht Euch keine Sorgen um uns sondern meldet Euch einfach und lasst Euch unsere Erlebnisse erzaehlen die wir dringend loswerden müssen :-D Einen wunderschönen Abend Euch!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen